Begegnung an einem Strand auf Cape Breton..... von Marion Zehnle

Es war Sommer...wir gingen am Pontville-Beach spazieren und machten zum ersten Mal nicht am Ende des Sandstrandes kehrt sondern liefen weiter oben am Ufer einen schmalen Pfad, entlang der Küstenlinie. Das allein war schon ein Abenteuer. Erst ging es durch ein freies Wiesenfeld mit allen möglichen Sorten von Blumen, dann durch einen Kiefernwald. Der Kontrast von heller, offener Landschaft und dunklem Wald schuf eine märchenhaft unwirkliche Atmosphäre. Zwischen den Bäumen war es angenehm kühl, der Boden gab bei jedem Schritt etwas nach und man mußte auf die Wurzeln achten. Es ging leicht bergauf. Ich seufzte sehnsüchtig als ich die Hufabdrücke eines Pferdes auf dem Weg sah.


Jetzt mit dem Pferd hier entlang zu reiten würde die Krönung des Ganzen bedeuten, dachte ich so für mich. Die Uferlinie zum Meer war inzwischen einer steinigen Felsküste gewichen und man konnte wunderbar durch einige lichte Stellen von oben runter aufs Wasser schauen. Es glitzerte tiefblau und man hörte die Wellen zehn Meter weiter unten an die Felsen rauschen. Der Tag war warm und sonnig. Einfach toll! Dann ging es wieder bergab, der Wald wich einer offenen Fläche von Büschen und Reed-Gras und plötzlich standen wir an einem anderen einsamen Sandstrand. Wir schlenderten diesen entlang bis uns der Pfad wieder hoch auf eine eingezäunte Wiese führte. Ich hielt Ausschau nach Weide-Rindern, doch ich sah keine. Die Phantasie einer aus dem Nichts auf mich zustürzenden Kuh ließ mich jedoch hinter dem Zaun verbleiben. Wir machten kehrt. Ich war hin und weg ob dieser neuen Entdeckung. Teilweise hatte ich das Gefühl ich bin in Süd-Frankreich, auf der Wiese dachte ich an Irland und der heiße Sandstrand erinnerte mich an Spanien. Alles auf engstem Raum. Aber wir befanden uns die ganz Zeit auf Cape Breton, und auch nur dort und in keinem anderen Land konnte passieren was als nächstes geschah. Wir laufen den schönen Weg wieder zurück. Plötzlich sehen wir vor uns, zuerst vom nächsten Hügel verdeckt, dann langsam immer mehr, einen Cowboyhut... dann den Träger... erscheinen und bleiben stehen. Sehr schnell wird klar, daß es sich um einen Reiter handelt. Der Pfad ist schmal. Er muß an uns vorbei. Gemächlich schreitet er mit seinem schwarzen Pferd auf uns zu. So, als hätte er alle Zeit der Welt. Eine Szene aus einem Western-Epos.........Ich starre ihn an........Zusammen mit seinem genieteten Westernsattel würde er vom Hut bis zu den Cowboystiefeln ein gutes Bild für ein Kalenderblatt abgeben. Sehr schön! Als er auf unserer Höhe ist bleibt er stehen, tippt sich an den Hut und grüßt. .....Ich schaue mich unwillkürlich nach einem Kamerateam um....... Es gibt keines.


Wir kommen ins Gespräch und bewundern das Pferd. Sogar ich traue mich es kräftig zu streicheln. Es hat eine ruhige, liebenswürdige Ausstrahlung. Und man stelle sich vor! Der Cowboy fragt uns, ob wir mal auf seinem Pferd reiten wollen! Ja, wirklich! Kaum zu glauben. Ich bin etwas vorsichtig mit fremden Pferden und verneine, mein Mann jedoch hat diese Scheu nicht. Er ruft spontan "Na Klar"! Marion und ChicoIch ziehe ihn immer damit auf, daß ich sage, er wäre schneller auf der einen Seite auf das Pferd gestiegen als sein Besitzer auf der andern Seite abgestiegen war. Während mein Gatte reitet, laufen ich und der Fremde am Strand entlang und unterhalten uns. Sein Name ist Bobby. Er lädt uns anschließend zu sich nach Hause ein um seine Frau kennenzulernen. Nun, wir fanden gegenseitiges Interesse aneinander und sind seither mit Bobby, seiner Familie und seinem Pferd Chico bekannt. Inzwischen bin auch ich schon mehrere Male auf Chico geritten. Einmal am Strand. Ein Traum! Ich frage mich, wo sonst geschehen solche schönen Dinge??