Eine ganz „normale Bärenjagd“ in Nova Scotia, Canada….. „zusammengefasst“ von Marion Zehnle

Wir schreiben das Jahr 2009. Es ist Mitte September.


Mein bester Ehemann und Bärenjäger hat seinen Bären mit nach Hause gebracht.
Nach sieben Stunden Ansitz.
Der erste Tag der offiziellen Bärenjagd.
Das Tier war ca. 2 Jahre alt, männlich, gesund, ca. 90 kg Lebendgewicht.




Ich habe mit „Winfried the Hunter“, seinem Guide Danny und Erwin, ein uns bekannter Bildhauer, der zufällig vorbeikam, sogleich einen Champagner darauf getrunken.

Danny hat den Bären sofort abgezogen. Er hängt jetzt in der Scheune - der Bär!

Bearhunters Geschichte hörte sich folgendermaßen an: „Wenn ich dir das erzähle…. Das wirst du mir NICHT glauben…“
Ich erzähle es ungefähr so, wie Winfried es mir geschildert hatte. In Ich-Form. Für etwaige sprachlich-jägerische Unkorrektheiten zeichne ich allein verantwortlich. Auch für eventuell jägerisch nicht ausreichend ausführliche Darstellung der Sachverhalte bitte die Klagen an mich adressieren und ausschließlich an mich.
Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind absichtlich.
Dies ist eine wahre Geschichte!

Also….. Winfried erzählte…

Morgens um sieben Uhr ging es los.
Ich wartete vorne an unserer Scheune auf Danny und freute mich, als ich ihn pünktlich mit seinem Truck und dem ATV (Quad) auf dem Hänger antuckern sah.



Bei der Begrüßung, bevor wir losfuhren hörten wir den Ruf von Wildgänsen. Wir guckten in den
Himmel und tatsächlich, ganz nah über uns flogen zwei Flocks von ca. 50 Wildgänsen. So viele und so nah habe ich sie noch nie gesehen.
Ein wunderschöner Anblick.
Danny meinte, das wäre ein gutes Omen. Er hätte mit Schrot auf fliegende Ziele normalerweise nicht so viel Glück, aber auf diese Nähe könne sogar ER Wildgänse treffen“.

Jagbares Wild, so nah und so zahlreich. Ein gutes Omen. Ich stimmte ihm zu.

Wir fuhren nach Antigonish.

Von dort aus ging es weiter auf kleinen, steilen, ausgewaschenen Pfaden im Wald mit dem ATV (Quad).
Als ich schließlich auf dem Stand saß, der aus einem portablen Sitz bestand - an den Baum gelehnt und ohne Dach - fing es an zu regnen.
Wir hatten drei Wochen durchgehend warmes, trockenes Wetter mit Sonnenschein.
Heute regnete es! Wer hätte das gedacht.
Ich nicht.
Nach kurzer Zeit war ich naß und bei ca. 14 Grad ist das nicht lustig.
Der Wind pfiff die Kälte ordentlich in die Knochen und ich saß im Baum und fror.
Meine isometrischen Aufwärmübungen konnte ich irgendwann nach ein paar Stunden kaum mehr ausführen, denn meine Zähne klapperten so heftig, daß ich mir Sorgen machte ein vorbeikommender Bär könne mich schon meilenweit entfernt hören.



Heiße Getränke hatte ich keine dabei. Überhaupt sind Getränke, ob kalt oder warm, keine gute Idee, wenn man an die Besonderheiten der Entsorgung denkt. Eine volle Blase auf dem Hochsitz hat schon so manchem Jäger Qual gebracht!
Mein Vesperbrot, Vollkornbrot mit Rührei, wärmte herzlich wenig.
Es gab eine Bewegung an der Futterstelle. Etwas Schwarzes. Schnelles.
Kleines.
Ein Bärenjunges?
Ich guckte genauer und staunte nicht schlecht als ich einen Fischotter ausmachte, der sich ein paar Gooddies stibitzte.
Danny saß auf einem anderen Stand in der Nähe. Er wollte beobachten und Bilder machen.
Ob ihm wohl auch so kalt war?
Ich entschied mich mein Handy auszuprobieren, nur mal so, um zu gucken, ob es auch wirklich funktioniert.
Es funktionierte nicht.
Immer wenn Danny das Telefonat annahm und ich „hallo“ sagte, brach die Verbindung ab.
Ich saß weiter auf dem kleinen Sitz im Baum und fror erbärmlich.



Ich machte mir klar, daß mich keiner dazu gezwungen hatte, ich dies alles selbst wollte und ein Jäger doch ein harter Bursche sein musste, der dem bisschen Regen und Kälte strotzen müsse.
Nach einer weiteren Weile waren mir solch logische Gedankengänge völlig egal und ich wollte nur noch in die Nähe einer Heizquelle.
Plötzlich kam Dany und flüsterte: „Winfried! You got your Bear???“
Nein, wie kam er nur darauf??
Danny hatte wegen der zwei Handy-Telefonate, aus denen ihm meine Stimme entgegentönte gefolgert ich hätte den Bären schon erlegt. Es war ausgemacht, daß ich ihn dann anrufe.
„Nein, einen Bären habe ich nicht“ sagte ich ihm, „aber - fuck a duck - mir ist so kalt, daß ich den nächsten Bären nicht erschießen sondern erzittern könnte“.
Wir betrachteten den Himmel. Ganz weit weg hellten sich die Wolken auf.
Danny beschloß, erst mal „in Town“ zu gehen und ein paar „Timmies“ zu essen.
Der nächste Tim Hortens war beheizt. Der Tee brühheiß. Die Kleider hatte der Fahrtwind auf dem ATV getrocknet…. Kurz und gut, mir wurde langsam wärmer, die Stimmung hellte sich auf und wir beschlossen eine zweite Runde im Wald.
Ich kletterte wieder auf meinen Baum und richtete meine Sachen her. Danny lief weiter zu seinem eigenen Hochstand.
Keine fünf Minuten später kam Danny aus dem Gebüsch geflitzt und flüsterte aufgeregt, daß an seinem Platz gerade ein Bär fressen würde.
Schnell, schnell.

Wir mussten zu seinem Stand laufen.
Ich ließ alles liegen, sprang vom Baum und nahm nur das Gewehr mit. Eilig hechtete ich hinter Danny her, der trotz seines Gewichtes ein olympia-reifes Tempo anschlug. Es ging über Stock und Stein und Pfützen und Gebüsch.
Im Laufen machte ich das Gewehr schießbereit. Jede Sekunde zählte. Ja, doch, natürlich dachte ich daran die Sicherheit einzuschalten!!
Als wir nah genug am Stand waren, guckte ich vorsichtig durch die Zweige und –
…DA WAR ER…
– Ich sah den Bären am Futterplatz fressen.
Während ich noch versuchte die Lage einzuschätzen, drehte sich das Tier um, guckte in unsere Richtung und witterte.
Jetzt hieß es schnell sein, sonst würde wer weiß was passieren… ich wollte keinesfalls von einem Bären „überrannt“ werden.



Danny und ich handelten ohne viele Worte. Er schob sich vor mich, ging in die Hocke und steckte sich die Finger in die Ohren.
Ich legte das Gewehr an – auf seinem Kopf – entsicherte, zielte und schoß.
Boom.
Dem Bären mitten zwischen die Augen.
Er hatte nicht mal mehr Zeit sich zu wundern, was da vor ihm im Gebüsch los war, so schnell ging alles.
Das Tier lag um.
Wir näherten uns achtsam, alle Sinne auf Alarm.
Da ich mit Bären schon so manches Erlebnis hinter mir habe - zum Beispiel ist mir einer aufgestanden und ca. 50 Meter weit losgeflitzt, nachdem ich schon dachte, er könne den Schuß unmöglich überlebt haben…. - gab ich vorsorglich einen zweiten Schuß aus ca. 2 Meter Entfernung ab.
Nichts regte sich.
Das war´s.



Wenn ich jetzt ein Jagdhorn dabei gehabt hätte, dann hätte ich ihm als letzte Ehre, Baer tot geblasen. Oder zumindest das geblasen was ich eben kann. Er hätte seine ganz eigene Melodie bekommen! So gab ich ihm den letzten Bissen mit einem Fichtenzweig.
Wir schleppten den Bären zum ATV.
70 Kilo Gewicht eigenhändig zu befördern brachte den Vorteil, daß uns nun gut warm wurde. Man könnte auch sagen wir schwitzten wie verrückt.



Nach dem Aufbrechen und Ausweiden fuhren wir mit dem ATV zurück zum Auto.
Ich, Danny und der Bär.
Danny saß vor mir. Der Bär saß hinter mir.
Okay, er saß nicht hinter mir sondern er lag.
Ich hielt ihn mit einer Hand fest mit der andern klammerte ich mich an Danny und wir knatterten durchs Gebüsch.
Irgendwo zwischen uns war noch mein Gewehr, das ich mit meiner „dritten Hand“ festhielt, weil es immer wieder drohte an einem Ast hängen zu bleiben.



Bevor wir aus dem Wald losfuhren drehte sich Danny um und fragte: „hast du das Gewehr entladen?“
Ui!!!
JA! Ich holte die restlichen Patronen raus, zeigte ihm das leere Magazin und die geöffnete Kammer.
Danny grinste mich an.
Die Bärenjagd hatte mein Adrenalin ordentlich erhöht.
Er meinte: „Diesen Bären hast du dir redlich verdient“!
Ich überlegte, ob ich in diesem Fall „earned“ mit „erlitten“ übersetzen könnte, denn ich habe selten in meinem Leben so sehr gefroren.
Danny gab zu, nicht die ganze Zeit im Wald gesessen, sondern sich gänzlich unkanadisch im warmen Auto aufgewärmt zu haben.
Im Nachhinein erkannten wir, daß Dannys Komfort es überhaupt erst ermöglichte, diesen Bären zu kriegen. Hätte er die ganze Zeit auf dem Stand gesessen und der Bär wäre gekommen um zu fressen, hätte Danny keinesfalls seinen Platz verlassen können. Schießen wollte er nicht, denn schließlich war er der Guide.
Und wer jetzt denkt, Danny hätte doch vom Hochstand klettern und am Bären vorbeilaufen können mit den Worten: „wait a little“ ... der weiß nicht wie messerscharf ein Bär seine Krallen einsetzen kann!
No thank you.

Danny und ich waren ein gutes Team.


Es hat unglaublich viel Spaß gemacht!!!

                                                ***


Die Jagd in Kanada unterscheidet sich wesentlich von den deutschen Jagdgewohnheiten und -Bestimmungen, ist in jeder canadischen Provinz und für jedes Jagdjahr gesondert geregelt aber hochinteressant.

Vor Antritt einer Jagdreise ist eine genaue Erkundung der gesetzlichen Grundlagen, am besten bei einer kundigen Person, dringend zu empfehlen.


Mein Revier, im Gebiet des River Denuy, mit 105 ha Mischwald sehe ich neben dem mächtige Weißwedelhirsch auch Schwarzbär, Kaninchen und Federwild uva.werde ich in den nächsten Jahren verkaufen. Mit zunehmendem Alter werden die Aktivitäten etwas begrenzter :).

Die Ostgrenze dieses Gebietes bildet der River Denys der unweit in den Bras d'Or See mündet.

Dieser Fluß ist ein exellentes Kajak und Kanugebiet und für den Süßwasserangler ein ergiebiges Gewässer!

Der Bras d' Or Lake selbst ist eines der interessantesten nordamerikanischen Segelgebiete!




Eine schöne doppelstöckige Blockhaus-Holzhütte ist schon vorhanden. Das Grundstück war einst Farmland, ist sehr gut bebaubar, Strom ist schon da, und infrastrukturell gut erschlossen.


Bei begründetem Interesse gerne Kontaktaufnahme auch unter:ja@hartmann-zehnle.de